Vorlesegeschichte für Kinder · etwa 5 Minuten
Bergwärts
Die Vorlesegeschichte „Bergwärts“ beschäftigt sich mit dem Thema „Anderssein“ und den Kindern soll in dieser Geschichte Toleranz und ein tieferes Hinterfragen von scheinbar gegebenen Situationen ermöglicht werden. Ist denn eine Situation so, wie sie sich wirklich darstellt? Oder gibt es noch andere Sichtweisen? Hier wird sich um einen Wurm gestritten und auch eine scheinbar gleiche Ausgangssituation, stellt sich überraschenderweise am Ende ganz anders dar. Dauer der Vorlesegeschichte: 5 Minuten. Altersgruppe : 5 Jahre bis 10 Jahre Tipp : Ein weiterer Text zum Vorlesen in dieser Altersgruppe findet ihr hier: 3-Minuten-Vorlesegeschichte – „Die vier Wichtlein der Elemente.“
Steckbrief
Einordnung
Bergwärts
Da trafen sich eines Tages zwei Vögel auf der Wiese im Klee; sie suchten beide Regenwürmer – die essen sie besonders gerne. Davon gibt es auf der Wunderwiese genug, weil die Wiese so nahrhaft ist. Die Vögel sind beide noch jung und üben noch das richtige Fliegen.
„Es ist soo einfach.“, sagte der eine Vogel voller Stolz, „Ich schwinge einfach aus dem Nest und gleite mit dem Wind und fliege kilometerweit!“.
„Wirklich? Ich finde fliegen nicht so einfach. Bei mir ist das immer total anstrengend!“, entgegnet der andere Vogel. Eifrig suchen sie weiter nach leckeren Regenwürmern. Plötzlich finden sie einen besonders dicken Wurm, doch hoppla – gleichzeitig hat jeder ein Ende im Schnabel.
„Wer soll den Wurm bekommen?“, fragte der andere Vogel, der sich so schwer mit dem Fliegen tut. Der talentierte Vogel wittert seine Chance und macht dem anderen Vogel einen Vorschlag: „Kennst du die riesige, wunderschöne, rosarote Blume, die den Bienen den Kopf verdreht? Die Blume dort hinten, bergwärts.“
„Ich kenne die Blume“, sagt der andere Vogel hoffnungsvoll, „Ich fliege auf meinem Heimweg von der Wunderwiese an ihr vorbei“.
„Tatsächlich? Ich kenne sie bisher nur aus der Ferne, weil ich auf der anderen Seite der Wiese wohne. Lass uns einen Wettflug zu dieser Blume machen, möge der schnellere den Wurm bekommen.“
„Okay, los geht’s – bergwärts!“, sagt der andere Vogel und fliegt fröhlich los. Er freut sich, denn die Blume liegt nicht weit weg und noch vor all den anstrengenden Etappen, die er auf seinem Heimweg zu erwarten hat. Nach einer Weile kommt er an und hält Ausschau nach dem herausfordernden Vogel mit dem vermeintlichem Flugtalent.
Nach einiger Zeit kommt dieser abgemüht und völlig außer Atem an und fragt den anderen Vogel verwundert: „Du bist schon hier? Wie hast du das geschafft? Und du siehst gar nicht müde aus! Ich hätte nicht gedacht, dass es bergwärts so anstrengend ist“. „Für mich ist das nichts, ich fliege hier jeden Tag vorbei. Aber ich teile den Wurm mit dir gerne.“
So stellte sich heraus, der andere Vogel, der sich mit dem Fliegen schwer tat, viel weitere und anstrengendere Wege hinter sich bringt – und deshalb nach einem Flug müde ist. Nur weil es dem einen Vogel leicht viel und Ihm schwer, bedeutet das noch lange nicht, dass er der schwächere ist. Zum Glück hat der andere Vogel an sich geglaubt und den Wettflug angetreten – sonst wäre er bis heute im Glauben, das Fliegen würde anderen Vögeln leichter fallen.
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